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Verrückte Welt
Sie hat
mir mein Auto kaputt gefahren, beim Wenden am Ufer des Gardasees, Achsenbruch
an der Kaimauer. Sie hat
bei Van Halens „Jump“ mitten drin immer laut „Hu-hu-yeah!“ gemacht und
geschwärmt, dass sie mit den Jungs schon mal Backstage gewesen sei, dabei, so
meinte sie, gäbe sie eigentlich nichts auf solche Sachen. Sie hat immer von
einem noch besseren Leben geträumt, während ich es schön fand, so, wie es war. Sie
hat bei „Rock gegen Rechts“ ihren Rock auf links getragen und sogar mit dieser
albernen Idee noch gut ausgesehen. Sie hat mir in meinem Renault den Kopf
verdreht und das Auto dann gegen die Kaimauer des Gardasees gesetzt, kurz nach
Pfingsten 1999. Sie hat ihren Eltern gegenüber einmal erwähnt, dass das mit uns
tendenziell nichts Ernstes gäbe, was ich jedoch erst viel später erfahren habe.
Sie hat sich immer erst dann für etwas entschuldigt, wenn es nicht mehr anders
ging. Sie war bei manchen Dingen einfach nicht in der Lage, Nein zu sagen, zu
widerstehen, zum Beispiel bei Schokolade oder einem gewissen Roberto, der in
einem Klamottenladen in Cannstatt arbeitete. Sie hat vermutlich von Anfang an ihr
Ding gemacht, ohne dass ich das damals gemerkt habe. Sie war es, wegen der ich wie
vernagelt war. Sie war es, die mir irgendwann einen Zettel auf den Küchentisch
gelegt hat, beschwert mit dem Marmeladeglas, und sich dann aus dem Staub
gemacht hat.
Seit über
zehn Jahren haben wir nichts mehr von einander gehört. Noch immer hat sie
einige meiner besten CDs, für die Sache mit dem Renault stünde auch noch eine
Entschuldigung aus, und jetzt - jetzt möchte sie tatsächlich wissen, ob ich bei
facebook mit ihr befreundet sein will.
Verrückte
Welt.
© Jochen Weeber
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